Bill Monroe      Bill Monroe the Father of Bluegrass         


Bluegrass

von Carolin Rohde

(www.AcoustiCity.de)


Bluegrass ist eine relativ neue Musikrichtung, die erst seit 1945 existiert.
Bluegrass wurde nach der Band „Bill Monroe and his Bluegrass Boys“ benannt, Bill
Monroe seinerseits benannte seine Band nach dem Spitznamen seines Heimatstaates
Kentucky „The Bluegrass State“. Bluegrass ist eine spezielle Grassorte, die
hauptsächlich in Kentucky wächst.

Die Wurzeln des Bluegrass


Amerikanische Volksmusik war schon immer eine Mischung von Musikrichtungen der
dort ansässigen verschiedenen kulturellen Gruppierungen. Sklaven aus Afrika
brachten ihre Musik mit, die später zum Blues wurde. Irische und Britische
Einwanderer brachten ihre eigene Musik, ebenso wie Italiener, Deutsche und
osteuropäische Einwanderer. Alle diese Formen von Musik beeinflussten sich
untereinander.
Die Musik, die ab Beginn dieses Jahrhunderts bis in die 20er Jahre in den
ländlichen Gegenden von Kentucky gespielt wurde, war wesentlich durch Blues und
Anglo-Amerikanische Musik beeinflusst. Zu dieser Zeit begann Bill Monroe
Tanzmusik mit irischen Wurzeln zu spielen, ebenso wie die Blues-Musik eines
schwarzen Musikers namens Arnold Schultz. Ausserdem lernte er die Gospel-Songs
seiner Kirchengemeinde.
Bill Monroe wuchs in einer sehr musikalischen Familie auf, in der viel die für
Kentucky typische Volksmusik gespielt wurde. In seiner Familie wurden bereits
die anderen Instrumente von seinen älteren Brüdern gespielt, also blieb für Bill
Monroe nur die Mandoline übrig. Obwohl die Mandoline damals hauptsächlich als
Rhythmus-Instrument eingesetzt wurde, begann Bill Monroe einen sehr bluesigen
Leadmandolinen-Stil zu entwickeln.
Mit seinen Brüdern gründete er ein Trio, das auf Tanzveranstaltungen und für
Radiosender arbeitete. Sie nannten sich „The Monroe Brothers“. Nachdem diese
Band sich 1938 aufgelöst hatte, gründete Monroe seine erste eigene Band, „The
Kentuckians“. Diese Band hielt sich auch nicht lange und Bill Monroe gründete
die erste Version der „Blue Grass Boys“.
Zu Beginn spielten die „Blue Grass Boys“ noch nicht in dem Stil, den wir heute
als „Bluegrass“ kennen. Bill Monroe experimentierte noch, auf der Suche nach dem
richtigen Sound versuchte er sogar, ein Akkordeon in seine Musik zu integrieren.

Erst 1945 sollte der spezielle Bluegrass-Sound gefunden werden. In diesem Jahr
traf Bill Monroe die beiden Musiker Lester Flatt (Gitarre, Gesang) und den
Banjospieler Earl Scruggs. Ein Banjostil wie der von Earl Scruggs war bislang
völlig unbekannt. Er spielte geschmeidig, schnell, kraftvoll und präzise, ein
Banjostil, der heute nach ihm “Scruggs-Stil“ genannt wird.
Die Instrumente in der Band waren Mandoline, Gitarre, Geige, Banjo und Bass.
Gesungen wurde vornehmlich in zwei- oder dreistimmigen Harmonien, ergänzt durch
einige a-capella Gospel Lieder. Wie auch in der Jazz-Musik hatten hier die
Instrumente zwischen den Versen abwechselnde Soli mit viel Raum für Improvisation.
Die Blue Grass Boys hatten eine Menge Live-Auftritte, auch in den damals
üblichen Live-Shows im Radio. So wurde Bill Monroes Musik sehr bekannt und
andere Bands begannen, seine Musik zu kopieren. Anstatt umständlich zu sagen:
„Wir spielen im Stil von Bill Monroe und seinen Blue Grass Boys“ nannten sie die
Musik einfach „Bluegrass Musik“. Die Musik wurde recht populär, bis in der Mitte
der 50er Jahre die Rock’n Roll Musik aufkam. Für die Bluegrass-Bands wurde es
immer schwieriger, von ihrer Musik zu leben. Andererseits sang Elvis Presley
Bill Monroe’s Song „Blue Moon of Kentucky“ und machte ihn so einem grösseren
Publikum bekannt. Viele Musiker, die bis dahin bluegrassähnliche Musik gespielt
hatten, wechselten nun zu der neuen Musik mit elektrischen Instrumenten und
Schlagzeug über - ein neues Genre war geboren: Country Musik in ihrer modernen
Form.
In den 60er Jahren begann eine neue Bewegung in der amerikanischen Musik: das
„Folk Revival“. Junge städtische Musiker entdeckten die traditionelle
amerikanische Musik, unter ihnen Bob Dylan, Joan Baez und Arlo Guthrie (Sohn
von Woody Guthrie). Das neue Interessse an akustischer Musik half auch dem
Bluegrass wieder auf die Füsse.
Bluegrass Bands versuchten auch, neue Sounds zu übernehmen, die sie von den Rock
Bands dieser Zeit hörten. So gründete zum Beispiel Earl Scruggs, der sich schon
lange von Bill Monroe und Lester Flatt getrennt hatte, in den 70ern eine Rock
Band mit seinen Söhnen. Andere, wie Bill Monroe oder Lester Flatt, blieben der
akustischen Bluegrass Musik treu.
Im Zuge all dessen begannen auch jüngere Leute neue Bands zu gründen und
brachten ihre Einflüsse mit in die Musik ein. Der prominenteste Vertreter
dieser Musik in den 70ern war die Band „Newgrass Revival“, die einen Bluegrass
spielte, der stark von der Rock Musik beeinflusst war.
Heute ist sogar in den USA der Bluegrass nur ein kleiner Teil des
Musikgeschäftes. Der positive Apekt hiervon ist, dass sich Fans und Musiker
einer verschworenen Gemeinschaft zugehörig fühlen. Es werden viele Festivals
veranstaltet, meist über ein ganzes Wochenende oder sogar für eine ganze Woche.
Die Fans besuchen die Festivals zum einen, um professionelle Bluegrass-Bands zu
sehen, aber auch um selbst mit anderen Musikern, die sie oft dort erst
kennenlernen, zu „jammen“. Bei den Festivals wird ein Campingplatz zur Verfügung
gestellt, wo die Fans campen. Das Ergebnis ist viel Kommunikation durch und über
diese Musik.

 

Die Instrumente im Bluegrass